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China Reverse

AT 2014, 90 min, Judith Benedikt

Meist sind sie zufällig in Wien gelandet, in einem China-Restaurant, um Geld für ein eigenes Unternehmen zu verdienen oder die Einreise für Familienmitglieder zu finanzieren. Die Arbeit ging weiter, endlos, bis man es sich ein wenig gemütlicher machen konnte. Erst dann tauchten die Fragen an das Leben auf.

Hier setzt China Reverse an, fragt nicht viel und stellt fast alles in Frage. Es hätte anders kommen können, weniger in Europa als in China. Wer dort blieb, konnte den Wirtschaftsboom nützen. Es lässt sich noch aufspringen auf diesen Zug, für einige zumindest.
China Reverse sucht nicht nach offensichtlichen Erfolgsgeschichten, sondern blickt hinter die Fassaden.
Nur scheinbar beiläufig bleibt man an den kleinen Details hängen, an Porzellanschalen, Liedern aus der Heimat, und am Lächeln, das auf die Zukunft weisen will, dabei aber ein wenig zittert.

Was sie nach ihrer Ankunft in Österreich am meisten vermisst habe? „Nichts“, sagt sie, sie habe gearbeitet, da hätte sie nicht nachgedacht.
„Kein Ruhetag“ steht auf dem Lokal einer anderen. So arbeitet sie, seit sie 1986 nach Österreich gekommen ist. Erst heute sagt sie: „Wir arbeiten, wir müssen auch leben.“
Abends, im Lokal an der Donau sitzend, fügt er hinzu: „Wenn ich schon mal hier bin, dann muss ich es auch gut machen. China Reverse begleitet ChinesInnen, die vor vielen Jahren eher zufällig in Wien landeten, um eine bessere Zukunft zu suchen. Inzwischen haben sie sich einiges erarbeitet, wie sie nicht müde werden zu betonen, die Zukunft aber, die suchen sie noch immer, wenngleich heute eher für ihre Kinder.
Heimweh? Vielleicht, wonach eigentlich? Ganz zurückkehren geht kaum. Zuviel wurde in Österreich erlebt, aufgebaut, und ebenso viel in China versäumt. Einige, die früh genug zurückgingen, errichteten große Firmen und schmunzeln heute über jene, die in der Fremde geblieben sind. „Man weiß nicht, ob man es richtig oder falsch gemacht hat“, sagt sie. „Das werden die Enkelkinder entscheiden.“ Ihre Einkäufe sind ebenso eine Investition in die Zukunft ihrer Nachfahren, wie die teure Privatschule für die Kinder ihrer Bekannten.
„Bisher haben wir den Kaffee vernachlässigt“, erklärt er und stellt chinesischen Geschäftsleuten jene Variante des Wiener Kaffees vor, die zur asiatischen Küche passen könnte. Ein neues Geschäft winkt. Die Globalisierung mischt alles, Waren, Orte, Menschen. So könnten die ProtagonstInnen aus China Reverse überall in Europa leben. Sie würden das Gleiche essen, die gleichen Geschäfte haben und ähnlich erfolgreich sein.
Lange schon leben die ProtagonistInnen in Wien. Untrennbar gehören die zwei Welten zueinander, und doch wirken sie nachdenklich, wenn sie von China sprechen.
Wie sie ihrem Leben rastlos, mit immer neuen Ideen nachgehen und sich kaum ein Innehalten erlauben, konzentriert sich die Kamera auf die Darstellung des Alltäglichen. Die wenigen Momente, in denen sich der Blick auf die darunterliegenden Zweifel richtet, reichen aus, um nichts zu fragen und alles in Frage zu stellen.

 

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Crossing Europe Linz 2014, AT | This Human World 2014, AT | Austrian Documentary FF Shanghai, Peking 2015, CHN

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