OKTOBER 2026
Free at Heart
ein Film von Max Hegewald
DE 2025, 115 Minuten, OF
Wien: Votiv Kino: Mo. 05.10., 20:00
Graz: KIZ RoyalKino Mi., 04.10., 20:40
Innsbruck: Cinematograph Di., 28.10., 20:30

Unmittelbar nachdem ihr Vater einen Schlaganfall erleidet, beginnt Viki Kühn zu filmen – zunächst in der Klinik, dann im Elternhaus in Wien. Das Familiengefüge ist erodiert. Der Vater, halbseitig gelähmt, findet seine Sprache nicht mehr und kann sich nur eingeschränkt bewegen, die Mutter rückt in die Rolle der Pflegerin und familiären Autorität. In der doppelten Position von Tochter und Filmemacherin – zeitweise auch als Co-Pflegerin – dokumentiert Viki Kühn, was nun Alltag ist: die Herausforderungen morgendlicher Routinen, Brettspiele und andere Rituale, die Belastungen durch physisches Leid, das Nebeneinander von Ohnmacht und Normalität. Kühns Kamera, mal statisch, doch meist aus der Hand geführt, ist mehr als ein Aufzeichnungsgerät. Sie schafft Abstand und drängt zugleich unerbittlich nach Nähe. Wiederholt versucht sie, gleichsam wie ein sensorisches Instrument die eingeschränkte Welt des Vaters nachzuempfinden, nimmt die Blickperspektive von seinem Krankenbett aus ein oder findet durch taktile Bewegungen Momente körperlicher Identifikation.
Als Vater- und Familienporträt ist „Mein halber Vater“ untrennbar mit dem Selbstporträt verbunden. So bekommen auch die eigenen ambivalenten Gefühle ihren Raum, die Trauer über den Verlust der früheren Vaterfigur und die Dankbarkeit für das Noch-immer-Dasein des „halben Vaters“, der Wunsch ihn festzuhalten. Manchmal wird die Präsenz des Augenblicks von sensuellen Erinnerungsfragmenten überlagert und die Filmemacherin imaginiert sich im Voiceover in den geschützten Zustand der Kindheit zurück, der durch die dramatische Zäsur ein plötzliches Ende fand.
In der Wiederholung der immer gleichen Abläufe – Pflegearbeit, familiäre Rituale, das jährliche Weihnachtsfest – gehen Zeiträume nahtlos ineinander über, am Ende sind, kaum merklich, acht Jahre vergangen. Während der Vater fragiler wird und sich mehr und mehr in sich zurückzieht, findet der Film in der erschöpften wie unermüdlich tätigen Mutter sein neues Zentrum.
Obgleich radikal autobiografisch wird „Mein halber Vater“ zu einer überpersönlichen Betrachtung: von körperlicher Versehrtheit, familiären Rollen und den Veränderungen, die Älterwerden bedeuten.
ESTHER BUSS
DE 2025, 115 Minuten, OF
Wien: Votiv Kino: Mo. 05.10., 20:00
Graz: KIZ RoyalKino Mi., 04.10., 20:40
Innsbruck: Cinematograph Di., 28.10., 20:30
Jetzt in folgenden Kinos:
Wien: CineCenter Wien, Bellaria Kino, Votiv Kino
Innsbruck: Leokino Innsbruck
Linz: Moviemento
Graz: KIZ Royalkino
Kino im Kesselhaus Krems (9.10.)
Filmfestival Radstadt (5. 11.)
Spielboden Dornbirn (15.+16.12.)
Cinema Paradiso Baden (ab 21.12.)
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Film Fest Gent 2026, BE (7-18 Oct)
Rome Film Festival, IT (13-25 Oct)
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October: Dok Leipzig, DE
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